Samstag, 12. Juni 2010

Ribery spürt Stress in Frankreichs Nationalteam

Mit dem Remis gegen Uruguay ist der WM-Start für Frankreich missglückt. Auf und neben dem Feld macht das Team keinen geschlossenen Eindruck.

Uruguay v France: Group A - 2010 FIFA World Cup 
 
 
Franck Ribery war sichtlich bedient. Mit ärgerlicher Miene und abwehrender Handbewegung suchte er eilig das Weite. Nach der unansehnlichen Vorstellung der „Equipe Tricolore“ beim 0:0 gegen Uruguay in Kapstadt verweigerte der Star des FCBayern München jeden Kommentar. „Kein Deutsch“, raunzte er missmutig und entzog sich wenig später auch den Fragen der französischen Journalisten. Den missratenen WM-Start mochte auch der ansonsten um keine Ausrede verlegene Trainer Raymond Domenech nicht schönreden: „Das war frustrierend“, bekannte der in seiner Heimat umstrittene „Sélectionneur“. Alle Hoffnungen beim Vize-Weltmeister auf die Wiedergeburt einer großen Mannschaft erwiesen sich als Wunschdenken. Zwei Jahre nach der enttäuschenden EM in der Schweiz mit dem frühen Aus in der Vorrunde droht dem Vize-Weltmeister ein schmerzliches Déjà-vu.
 
Trotz namhafter Stars mit hohem spielerischem Potenzial waren Fortschritte erkennbar. Mittelfeldspieler Yoann Gourcuff trauerte der vergebenen Chance auf ein befreiendes Erfolgserlebnis nach: „Es ist schade, dass wir nicht den Treffer erzielen konnten, der uns Ruhe eingebracht hätte.“ Stattdessen nimmt der Gegenwind für Team und Trainer zu. Neben Domenech bekam diesmal auch der über weite Strecken blasse Ribéry den öffentlichen Unmut zu spüren. „Sieht so ein Leader auf dem Platz aus?“, kommentierte das Fachmagazin „France Football“ spöttisch, „abgesehen von einer guten Flanke für Govou zu Beginn des Spieles ist ihm praktisch alles misslungen. Eine wahre Enttäuschung und ein ernsthaftes Fragezeichen für den weiteren Turnierverlauf.“ Ribéry war jedoch nicht der einzige, der weit unter seinen Möglichkeiten blieb. So ging von der gesamten Offensivabteilung um die einzige Sturmspitze Nicolas Anelka kaum Gefahr aus.

Ohne große Mühe unterband der Gegner alle Versuche der Franzosen, sich dem Tor zu nähern. Und weil es auch dem zweimaligen Weltmeister Uruguay trotz starker Stürmer wie Diego Forlan und Luis Suarez im Spiel nach vorn an Ideen mangelte, hielt sich der Unterhaltungswert der Partie zum Leidwesen der Zuschauer in engen Grenzen. Die Kritik an dem dürftigen Niveau ließ Uruguay-Coach Oscar Tabarez jedoch kalt: „Wir sind mehr oder weniger glücklich mit dem Ergebnis.“ Der schwache Auftritt der „Bleus“ kam nicht überraschend. Interne Diskussionen über einen Stammplatz für den erst in der 72. Minute eingewechselten Rekordtorjäger Thierry Henry, die Außenseiterrolle von Gourcuff und über die Übergabe der Kapitänsbinde an Patrice Evra sorgten zuletzt für atmosphärische Störungen. Eine verschworene Einheit lässt sich unter solchen Umständen nur selten auf den Rasen zaubern.

Ribery führte andere Gründe für die trostlose Nullnummer an. „In einigen Abschnitten des Spiels habe ich in der Mannschaft etwas Stress gespürt, aber das ist normal, das ist eine WM, da ist der Druck, so viele Menschen schauen uns zu“, erklärte er in einem Video auf der Seite des französischen Verbandes.
 
 
 
 
 
Auf weniger Druck kann Ribéry jedoch nicht hoffen. Denn ohne einen Sieg gegen Mexiko am kommenden Donnerstag in Polokwane droht dem noch vor Jahren stilprägenden Weltmeister von 1998 ein „Finale“ in der Gruppe A gegen die Südafrikaner, die sich zum WM-Start ebenfalls mit einem Unentschieden (1:1 gegen Mexiko) begnügen mussten. Einen solchen Showdown möchte sich Evra liebend gern ersparen. „Wir wollen nicht in die Situation kommen, den Gastgeber im letzten Gruppenspiel schlagen zu müssen“. Noch sieht der französische Kapitän jedoch keinen Grund zur Panik: „Alle Teams in der Gruppe haben einen Punkt. Es ist, als ob wir alle wieder bei Null beginnen.“

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